Malerei und Plastik auf dem Boden der Assemblage
aus: Das gemalte Bild als kritische Form in der Gegenwartskunst, in: Augenweite. Ausst.kat., Museum St. Wendel im Mia-Münster-Haus,
St. Wendel 1997, S. 4-11.


Christoph Wagner



 

... Nur für eine oberflächliche Betrachtung ist der Faden in der Assemblage gelb von Johannes Fox zur Tradition des gemalten Bildes abgerissen: Er selbst begreift seine Anordnung der farbigen Gipselemente als "Malerei im Raum, ein am Boden ausgebreitetes dreidimensionales Bild". Zwar verläßt Johannes Fox das Medium der Malerei, aber in der Anordnung der plastischen Elemente seiner Bodeninstallation schreibt er die Strukturen des gemalten Bildes fort. Johannes Fox experimentiert mit geradezu 'klassischen' Problemen der Bildkomposition, und auf überraschende Weise berührt die Assemblage gelb in einzelnen Elementen und Ordnungsprinzipien z.B. Bildvorstellungen von Wassily Kandinsky, freilich in einer neuen visuellen Sprache.
Nichts führt weiter ab von den künstlerischen Absichten von Johannes Fox, als seine Installation im Horizont einer postmodernen Spielzeugseligkeit als dekoratives Arrangement zu verstehen. Seine künstlerische Recherche greift über solch besinnungslose postmoderne Fröhlichkeit hinaus und zielt auf die in die Kategorien des Raumes ausgespannte Erkundung eines Bildbegriffs, an dessen Erschließung der Betrachter beteiligt ist, indem er anschauend das Bild begehen kann. [...] Durch die ständigen Perspektivwechsel des Betrachters, der dieses vielfarbige Bild jeweils von neuer Seite aus sehend aktiviert, entfaltet sich die Komposition zu einer Unendlichkeit möglicher anschaulicher Beziehungen.
Und hierin liegt ein entscheidender Punkt, an dem Johannes Fox die scheinbar so klassischen Probleme der Bildkomposition auf die Ebene eines neuen Bildbegriffs verlagert: Jenseits der in der europäisch-amerikanischen Malerei des 20. Jahrhunderts erkundeten Alternativen der RelationalArt, als einer vom Bildganzen aus hierarchisch durchkomponierten Gleichgewichtsbeziehung und der Non-Relational Art als der künstlerischen Negation einer solchen hierarchischen Ganzheitsstruktur, findet Johannes Fox zu einer Bildstruktur, die in ihrem offenen Verhältnis zum agierenden Betrachter am ehesten als Poly-Relational Art zu beschreiben wäre, ein Bild, dessen im ganzen unüberschaubare Komposition sich erst über einen vom Betrachter selbst gesteuerten Anschauungsprozeß aus einzelnen Facetten im Kopf zusammensetzt.

In ähnlich grundsätzlicher Form reflektiert Johannes Fox in seiner Assemblage weiß über die Modifikationen und die optischen Erscheinungsmöglichkeiten des Plastischen: Empfindlich reagieren die ungefärbten, weißen Gipselemente mit dem Licht. Es ist das Licht, das im Zusammenwirken mit der räumlichen Dunkelheit die Differenzierungen des Plastischen sichtbar macht, indem es sich den unterschiedlichen Formen anschmiegt und sich an den Oberflächenstrukturen des Gipses bricht. Ausgedehnte Bereiche, in denen Johannes Fox den Gips mit den Händen modelliert, und darin diesem die organischen Spuren des Körperlichen einprägt, wechseln mit gegossenen Flächen, die die tektonisch-architektonischen Strukturen der Verschalungen aufnehmen. Einzelne dieser Flächen wirken matt, indem sie in sich die körnige Struktur einer Hartfaserplatte tragen, andere wiederum gewinnen durch den Abguß von Glas eine spiegelglatte Oberfläche. [...] Johannes Fox arbeitet in seiner Assemblage weiß auf eine Synthese des Haptischen und Optischen hin, indem er die Qualitäten des Plastischen im bildlich entfalteten Prozeß ihrer optischen Erkundung enthüllt.