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Nur für eine oberflächliche Betrachtung ist der Faden in der Assemblage
gelb von Johannes Fox zur Tradition des gemalten Bildes abgerissen:
Er selbst begreift seine Anordnung der farbigen Gipselemente als
"Malerei im Raum, ein am Boden ausgebreitetes dreidimensionales
Bild". Zwar verläßt Johannes Fox das Medium der Malerei, aber in
der Anordnung der plastischen Elemente seiner Bodeninstallation
schreibt er die Strukturen des gemalten Bildes fort. Johannes Fox
experimentiert mit geradezu 'klassischen' Problemen der Bildkomposition,
und auf überraschende Weise berührt die Assemblage gelb in einzelnen
Elementen und Ordnungsprinzipien z.B. Bildvorstellungen von Wassily
Kandinsky, freilich in einer neuen visuellen Sprache.
Nichts führt weiter ab von den künstlerischen Absichten von Johannes
Fox, als seine Installation im Horizont einer postmodernen Spielzeugseligkeit
als dekoratives Arrangement zu verstehen. Seine künstlerische Recherche
greift über solch besinnungslose postmoderne Fröhlichkeit hinaus
und zielt auf die in die Kategorien des Raumes ausgespannte Erkundung
eines Bildbegriffs, an dessen Erschließung der Betrachter beteiligt
ist, indem er anschauend das Bild begehen kann. [...] Durch die
ständigen Perspektivwechsel des Betrachters, der dieses vielfarbige
Bild jeweils von neuer Seite aus sehend aktiviert, entfaltet sich
die Komposition zu einer Unendlichkeit möglicher anschaulicher Beziehungen.
Und hierin liegt ein entscheidender Punkt, an dem Johannes Fox die
scheinbar so klassischen Probleme der Bildkomposition auf die Ebene
eines neuen Bildbegriffs verlagert: Jenseits der in der europäisch-amerikanischen
Malerei des 20. Jahrhunderts erkundeten Alternativen der RelationalArt,
als einer vom Bildganzen aus hierarchisch durchkomponierten Gleichgewichtsbeziehung
und der Non-Relational Art als der künstlerischen Negation einer
solchen hierarchischen Ganzheitsstruktur, findet Johannes Fox zu
einer Bildstruktur, die in ihrem offenen Verhältnis zum agierenden
Betrachter am ehesten als Poly-Relational Art zu beschreiben wäre,
ein Bild, dessen im ganzen unüberschaubare Komposition sich erst
über einen vom Betrachter selbst gesteuerten Anschauungsprozeß aus
einzelnen Facetten im Kopf zusammensetzt.
In ähnlich grundsätzlicher Form reflektiert Johannes Fox in seiner
Assemblage weiß über die Modifikationen und die optischen Erscheinungsmöglichkeiten
des Plastischen: Empfindlich reagieren die ungefärbten, weißen Gipselemente
mit dem Licht. Es ist das Licht, das im Zusammenwirken mit der räumlichen
Dunkelheit die Differenzierungen des Plastischen sichtbar macht,
indem es sich den unterschiedlichen Formen anschmiegt und sich an
den Oberflächenstrukturen des Gipses bricht. Ausgedehnte Bereiche,
in denen Johannes Fox den Gips mit den Händen modelliert, und darin
diesem die organischen Spuren des Körperlichen einprägt, wechseln
mit gegossenen Flächen, die die tektonisch-architektonischen Strukturen
der Verschalungen aufnehmen. Einzelne dieser Flächen wirken matt,
indem sie in sich die körnige Struktur einer Hartfaserplatte tragen,
andere wiederum gewinnen durch den Abguß von Glas eine spiegelglatte
Oberfläche. [...] Johannes Fox arbeitet in seiner Assemblage weiß
auf eine Synthese des Haptischen und Optischen hin, indem er die
Qualitäten des Plastischen im bildlich entfalteten Prozeß ihrer
optischen Erkundung enthüllt.
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